Internationales Seminar des LOC/MTC Portugals

Aktive Bürgerschaft in Europa

Internationales Seminar in Leiria (Juni 2026) (c) LOC/MTC Portugal
Datum:
Mo. 8. Juni 2026

Unsere Partnerbewegung LOC/MTC Portugal veranstaltete vom 4. bis 7. Juni 2026 in Leiria ein europäisches Seminar zum Thema: „Die Rolle von Arbeitnehmerorganisationen für eine aktive Bürgerschaft in Europa“.

An dem Seminar nahmen Mitglieder der LOC/MTC aus verschiedenen Diözesen Portugals sowie Mitglieder anderer nationaler und internationaler Organisationen teil, darunter die KAB aus Deutschland (Diözese Aachen), ACO und HOAC aus Spanien, CFTL (Centro de Formação e Tempos Livres) sowie die portugiesische Bildungsorganisation BASE-FUT, JOC, FIDESTRA, CESMINHO (Gewerkschaft der Beschäftigten im Handel und in Büros), die Arbeiterpastoral Portugals, EZA und die MTCE (Europäische Bewegung christlicher Arbeitnehmer).

Einige Schlussfolgerungen aus dem Seminar

Arbeitnehmerorganisationen müssen die Fähigkeit zum Fragen, zum aufmerksamen Zuhören sowie zur umfassenden politischen Bildung stärken.

Ein Arbeitnehmer, der seine Rechte und Pflichten, die Rolle einer Gewerkschaft und den Wert kollektiven Handelns genau kennt, ist besser für ein aktives bürgerschaftliches Engagement gerüstet.

Internationales Seminar in Leiria (Juni 2026) (c) LOC/MTC Portugal

Die Situation in verschiedenen europäischen Ländern wurde analysiert. Der Anteil der von Armut oder sozialer Ausgrenzung bedrohten Menschen nimmt zu, wobei Alleinerziehende, Arbeitslose und Migranten besonders betroffen sind. Armut bedeutet nicht nur materiellen Mangel, sie schränkt auch die Bürgerbeteiligung ein.

Sozial benachteiligte Menschen neigen dazu, weniger zu wählen, sich weniger zu engagieren und weniger Vertrauen in die Institutionen zu haben. Dies ist eine gefährliche Asymmetrie, die die soziale Fragmentierung und das Wachstum von Populismus und Extremismus begünstigt. Diese wiederum operiert mit einfachen Antworten auf komplexe Probleme und nutzt die Unzufriedenheit aus, indem sie z. B. in sozialen Netzwerken Desinformation betreibt. Die Arbeitnehmerorganisationen sind aufgerufen, dieser Entwicklung entgegenzuwirken, indem sie den Dialog, Empathie und interkulturelle Kompetenz fördern.

Die Macht der Arbeitnehmerorganisationen erschöpft sich nicht in struktureller oder assoziativer Macht, es bedarf auch institutioneller Macht und Einfluss. Bedeutend ist die Mobilisierung zur Wahlteilnahme und der Kampf gegen die extreme Rechte, die aktive Präsenz in sozialen Netzwerken und in den Medien.

Es gilt das „Herz“ der Gesellschaft anzusprechen, indem man in Partnernetzwerken mit sozialen Bewegungen, Kulturvereinen, Universitäten, Umweltbewegungen und Basisinitiativen zusammenarbeitet sowie öffentliche Aktionen vor Ort durchführt.
Wichtig ist eine Botschaft der Hoffnung und Befreiung in der Arbeitswelt zu vermitteln. Der soziale Dialog bleibt ein Schlüsselelement, doch es gilt, den Individualismus, die Unsicherheit und die Ungewissheit zu überwinden, die die Arbeitnehmer vom kollektiven Engagement abhalten.

Papst Leo XIV. stellt uns vor eine Reihe von Herausforderungen, die sich aus der künstlichen Intelligenz und dem digitalen Wandel ergeben (Enzyklika „Magnificat Humanitas“). Die Macht über die digitale Zukunft, über die Zukunft der Arbeit, liegt in den Händen internationaler privater Technologiekonzerne. Doch technologische Innovation muss der Wahrheit, der Freiheit, der Würde des Menschen und dem Gemeinwohl untergeordnet sein.

Es wurde betont, wie wichtig es ist, dem Leid Gehör zu schenken, dem Leid konkreter Menschen, nicht nur abstrakten Diagnosen, um Ermutigung zu ermöglichen und das Gefühl der Ohnmacht zu bekämpfen. Hoffnung zu stiften bedeutet zu glauben, dass wir der Keim für etwas Neues inmitten einer alten Welt sind.

Es wurden grundlegende Handlungslinien identifiziert:

Internationales Seminar in Leiria (Juni 2026) (c) LOC/MTC Portugal

 

  • unsere gegenseitige Abhängigkeit und die Grenzen des Planeten anerkennen,
  • Bindungen der Nähe aufbauen,
  • Vielfalt als Reichtum wertschätzen,
  • Gemeinschaft knüpfen und das Gemeinsame neu erfinden,
  • Entwicklung, die das Leben bedroht, erkennen und anprangern,
  • alternative Erfahrungen der Solidarwirtschaft und der gemeinschaftlichen Teilhabe unterstützen.

Wir stellen fest, dass die Schwäche bei Arbeitnehmerorganisationen und Gewerkschaften kein Zufall ist. Arbeitnehmerorganisationen dürfen ihre Tätigkeit nicht auf die Arbeitsbedingungen ihrer jeweiligen Branchen beschränken, sie müssen sich organisieren und gemeinsam für zivilisatorische Rechte eintreten. Es geht um die Qualität der Bildung, den Zugang zur Gesundheitsversorgung und um genügend Wohnraum. Dabei dürfen Arbeitslose, Rentner, Hausangestellte, Pflegekräfte, Migranten ohne Papiere, informell Beschäftigte und durch Telearbeit isolierte Menschen nicht außen vor gelassen werden. Wie Papst Franziskus betonte: „Niemand rettet sich allein.“

In dieser Perspektive ist es wichtig, eine aktive europäische Bürgerschaft zu übernehmen, die EU-Institutionen kennenzulernen, die transnationale Zusammenarbeit zwischen Arbeitnehmerorganisationen zu stärken, die Organisation von prekär Beschäftigten, Rentnern, Arbeitslosen und Migranten zu fördern, ohne jemanden auszuschließen, ein wahrhaft soziales und brüderliches Europa einzufordern, das die sozialen Rechte in den Mittelpunkt stellt sowie die Gemeinschaft und die organisierte Hoffnung fördert.

Internationales Seminar in Leiria (Juni 2026) (c) LOC/MTC Portugal

Das Seminar kam zu dem Schluss, dass aktive Bürgerschaft nicht von selbst entsteht, sie braucht soziale Sicherheit, Bildung, demokratische Räume und Organisationen, die als Brücke dienen. Die Arbeitnehmerorganisationen werden weiterhin eine Schule der partizipativen Demokratie, ein Ort der Hoffnung und eine prophetische Stimme zur Verteidigung der Würde der Arbeit sein.

 

Lissabon, 7. Juni 2026

Die Präsidenten der LOC/MTC Portugal

Ricardo Coelho, Fatima Pinto