Jülich: Die Situation ist weiterhin prekär

Ein Bericht der Dürener Zeitung

Kreuzweg der Arbeit in Jülich (c) Heinz Peltzer (DGB Düren)
Datum:
Sa. 23. März 2024

Mit dem „Kreuzweg der Solidarität“ haben kirchliche Gruppen und die Gewerkschaften in Jülich auf Missstände im Gesundheitswesen aufmerksam gemacht.

JÜLICH. Der Kreuzweggedanke, der dazu einlädt, den Leidensweg Jesu nachzuvollziehen, wurde bereits mehrfach herangezogen, um auf sozialpolitische Schieflagen aufmerksam zu machen.

So entstand 1982 der „Kreuzweg der Arbeit“ und daraus der „Kreuzweg der Solidarität“, der diesmal bewusst am Jülicher Krankenhaus den Schwerpunkt „Medizinische Versorgung“ setzte.

Organisiert vom Katholikenrat der Region Düren, der katholischen Arbeitnehmer- und Betriebsseelsorge, dem DGB-Kreisverband Düren-Jülich und der Katholischen Arbeitnehmerbewegung (KAB) Düren gliederte er sich in drei Stationen. Thematische und persönliche Statements, eingebettet in christliche Lieder, machten auf die prekäre Situation im Gesundheitswesen aufmerksam.

Kreuzweg der Arbeit in Jülich (c) Heinz Peltzer (DGB Düren)

„Wenn der Begriff Solidarität eine Bedeutung hat, dann jetzt“, betonte Dr. Christoph Walter, Ärztlicher Direktor am Jülicher Krankenhaus. Es sei dem solidarischen Handeln der Stadt Jülich, die die Trägerschaft des Hauses übernommen hat, und der Unterstützung durch den Aufsichtsrat der Krankenhaus Jülich GmbH geschuldet, dass das Krankenhaus nach schweren Monaten in eine positivere Zukunft schauen könne. Auch Josa Jansen-Stankewitz aus dem Betriebsrat unterstrich die positive Bilanz: „Wir genießen das Vertrauen in Jülich.“

Am ausführlichsten bezog Heinz Peltzer vom DGB Stellung. Er monierte die „Profitorientierung bei gleichzeitiger Unterfinanzierung“, die zurückgedrängt werden müsse, und die Krankenhausreform von Gesundheitsminister Karl Lauterbach. Aus Sicht des DGB müssten die bisherigen Pflegebudgets zur Refinanzierung des Pflegepersonals zwingend beibehalten werden, sie dürften nicht auf die Vorhaltepauschalen angerechnet werden. Zudem forderte Peltzer bundeseinheitliche und bedarfsorientierte Personalvorgaben und wirksame Sanktionen bei deren Nichteinhaltung.

Besonders bewegte das persönliche Statement von Karl-Heinz Wolf (66), der das Gesundheitswesen sowohl aus seiner 25-jährigen Mitarbeit im Rettungsdienst kennt als auch als Notfallpatient mit einem Schädel-Hirn-Trauma an einem Sonntagabend. Hier waren sowohl der Rettungsdienst als auch die Notaufnahme im örtlichen Krankenhaus nur reduziert besetzt und der Notfallpatient wartete drei Stunden auf die Diagnose, die eine sofortige neurochirurgische Operation notwendig machte. Wolf brachte seine Angst davor zum Ausdruck, „dass es irgendwann nicht mehr aufzufangen ist, wenn weitere Krankenhäuser geschlossen werden.“

Kreuzweg der Arbeit in Jülich (c) Heinz Peltzer (DGB Düren)

 

Nach einem Schweigemarsch vom Krankenhaus zur Propsteikirche „buchstabierten“  dort die Katholikenratsvorsitzende Irene Mörsch und Ralf Linnartz, Pfarrer in der Arbeiter- und Betriebspastoral im Bistum Aachen, prägnant den Begriff Solidarität mit den Verben: Sehen, ordnen, leiden, informieren, dankbar sein, aufmerksam sein, riskieren, Interesse zeigen, teilen, ändern, tun.

Kreuzweg der Arbeit in Jülich (c) Heinz Peltzer (DGB Düren)

 

Ein offener Brief aus der Feder von Klinikseelsorgern im Bistum Paderborn und vorgetragen von Dr. Walter stellte die Notwendigkeit heraus „das Gesundheitssystem aus der Sackgasse herauszumanövrieren und den Menschen zurück in den Mittelpunkt zu stellen“.

Fürbitten und ein Segensgebet umrandeten den „Kreuzweg der Solidarität“, der mit Wein und Brot seinen Ausklang fand.

Quelle: Dürener Zeitung / Jülich, 23.03.2024

Autorin: Silvia Jagodzinska