So begann unser geistlicher Leiter Achim Kück beim Diözesanausschuss am 24. Januar 2026 in Baesweiler-Puffendorf unser Austauschtreffen mit einem sozialethischen Impuls.
Die KAB steht in einer Tradition, die weiß: Demokratie und soziale Gerechtigkeit gehören untrennbar zusammen.
Wo soziale Unsicherheit wächst, wo Menschen abgehängt oder gegeneinander ausgespielt werden, entsteht ein Nährboden für autoritäres Denken. Sozialethik ist deshalb immer auch Demokratieschutz.
Die Bibel spricht hier eine klare Sprache. Der Prophet Jesaja mahnt staatliches Handeln:
„Weh denen, die ungerechte Gesetze machen und belastende Verordnungen erlassen, um den Armen ihr Recht zu rauben“ (Jes 10,1 2).
Soziale Ungerechtigkeit ist kein Randthema – sie gefährdet das Fundament des Zusammenlebens.
Nikolaus Groß – gestern war sein Todestag (23. Januar 1945) – hat diese Verbindung von sozialer Verantwortung und demokratischer Wachsamkeit eindrücklich benannt.
In einer Zeit größter Bedrohung schrieb er:
„Bewahret das Feuer, entzündet die Fackeln. Die Faschisten marschieren, seid auf der Wacht.“
Dieses Wort ist kein historisches Zitat für Gedenktage, sondern ein Auftrag für heute.
„Bewahret das Feuer“ heißt: unsere Überzeugungen nicht auskühlen lassen.
„Entzündet die Fackeln“ heißt: Haltung zeigen, öffentlich widersprechen. Und „seid
auf der Wacht“ heißt: sensibel bleiben gegenüber Entwicklungen, die Menschen abwerten, ausgrenzen oder ihre Würde infrage stellen.
Jesus selbst macht deutlich, wo der Prüfstein liegt:
„Was ihr einem meiner geringsten Brüder getan habt, das habt ihr mir getan“ (Mt 25,40).
Eine Demokratie, die die Schwächsten aus dem Blick verliert, verliert auch ihre moralische Substanz.
Als KAB sind wir kein parteipolitischer Akteur, aber ein klar positionierter Sozialverband. Unsere Aufgabe ist es, soziale Fragen und Demokratiefragen zusammenzudenken – wachsam, solidarisch und öffentlich. Nikolaus Groß erinnert uns daran: Christliche Sozialethik ist nicht bequem. Sie ist widerständig, wenn Menschenwürde und Demokratie bedroht sind.
Dieses Feuer gilt es zu bewahren – gerade jetzt.