Königliche Würde des Menschen

KiZ berichtet über Tagung zur Stadtteilarbeit

Würde (c) KAB AG
Würde
Fr 15. Mär 2019
Andris Gulbins

Figuren von Diakon Ralf Knoblauch regen zur Auseinandersetzung an

„Die Würde des Menschen ist unantastbar.“ So steht es in Artikel 1 unseres Grundgesetzes. Kaum einer, der das in Frage stellen dürfte, schon gar nicht als gläubiger Christ.

Aus der KirchenZeitung, Ausgabe 10/2019

von Andrea Thomas

Figuren von Diakon Ralf Knoblauch regen zur Auseinandersetzung an

„Die Würde des Menschen ist unantastbar.“ So steht es in Artikel 1 unseres Grundgesetzes. Kaum einer, der das in Frage stellen dürfte, schon gar nicht als gläubiger Christ.

Doch billigen wir im Alltag tatsächlich jedem Menschen das gleiche Maß an Würde zu? Behandeln wir unser Gegenüber immer menschenwürdig? Ralf Knoblauch, Diakon in der Kirchengemeinde Thomas Morus im Nordwesten von Bonn, setzt sich in seiner pastoralen Arbeit in sozialen Brennpunkten immer wieder mit der Frage nach der Würde von Menschen auseinander. Wie viel Würde kommt jedem Menschen zu – von Gott, von sich, von anderen, und wie viel bleibt im Verborgenen? Seit einigen Jahren beschäftigt er sich damit auch künstlerisch in seinen hölzernen Königsfiguren, von denen einige derzeit in der Kapelle des Herzogenrather Nell-Breuning-Hauses zu sehen sind.

Seinen ersten König hat er vor Jahren im Urlaub aus Treibholz geschnitzt. Schnell sei er darüber auf dem Campingplatz in – für diesen Rahmen eher unüblich – tiefe Gespräche gekommen: darüber, was ein König ist, und dass in jedem von uns königliche Würde steckt. Das Motiv habe ihn danach nicht mehr losgelassen, erzählt er. „Das ist mein Einstieg in den Tag. Frühmorgens arbeite ich jeweils eine Stunde an den Figuren.“ Zunächst habe er damit ganz persönlich sein geistliches Tun verarbeitet. „In der Brennpunktarbeit habe ich es mit Menschen in schweren Lebenssituationen zu tun. Da ist Würde immer auch ein Thema.“ Dann seien zunehmend Anfragen gekommen und inzwischen stelle er seine Königsfiguren an unterschiedlichen Orten aus. Besonders spannend sind für ihn dabei Begegnungen mit Menschen in Kontexten, die wenig oder gar nichts mit Kirche zu tun haben. Daraus ergäben sich spannende Diskussionen. Manchmal auch solche, bei denen es ihm mulmig wird, wenn jemand Abstufungen mache in dem Maß der Würde, die anderen zustehe.

Denkanstöße, um neu miteinander ins Gespräch zu kommen

Ins Nell-Breuning-Haus hatte ihn der Koordinationskreis Stadtteil- und Gemeinwesenarbeit des Bistums Aachen, und somit auch die KAB der Diözese Aachen, im Rahmen der Reihe „Kraftquelle Mensch“ eingeladen. Vor rund 20 Teilnehmern gab er Einblicke in seine Arbeit und stellte seine Könige vor. „Ein sehr berührender Vortrag, mit Bildern und Musik untermalt, bei dem es ganz still war“, beschreibt es Kristina Hamm für die Veranstalter. Ein Schwerpunkt der Stadtteilarbeit sei, auf Gruppen zu schauen, die man nicht in oder über Kirche erreiche, und darauf, wie Menschen sich begegneten. Würde sei da immer wieder ein Thema. „Wie gehen wir in unserer Arbeit mit Würde um? Wie begegnen wir Menschen? Sprechen wir ihnen Würde zu?“ Über die Figuren Ralf Knoblauchs seien sie darüber noch einmal neu ins Gespräch gekommen. Die sollen, so Knoblauchs Wunsch, Denkanstöße geben, uns an unsere eigene Königswürde erinnern, daran, dass wir „königliche Menschen“ werden sollen, die füreinander da sind und einander brauchen.

Etwas, das sehr gut zur Stadtteilarbeit passe, wie Manfred Körber, Leiter des Nell-Breuning-Hauses, bei der Eröffnung der Ausstellung mit Knoblauchs Figuren, erklärte: „Sie lebt von der Berührbarkeit, vom Kontakt. Die Könige verkörpern dies. Bescheiden, demütig, nach innen schauend: Runde, nicht gestraffte Schultern, Arme, die nahe am Körper liegen – Könige, die nicht auf Expansion aus sind. Menschlichkeit drücken sie aus, die anderen nicht die Luft zum Atmen nimmt.“ Er teilte jedoch auch seine eigene Irritation mit, die er bei der Verbindung von König sein und Menschenwürde verspüre. Die zunehmende Wiedergeburt des Monarchischen sei eine Bedrohung von Demokratie und Menschenwürde, sagte er mit Blick auf die USA unter Präsident Trump oder auch auf den sexuellen Missbrauch in Kirche. Würde sei antastbar und sie sei noch lange nicht gesetzt.